Die Schale meines Lebens

20.06.2023

Handbuilding mit Ton: Die Schale deines Lebens

Die Arbeit mit Ton empfand ich von Anfang an schon immer als sehr erdend, ich bin ein Mensch der bildlich gesprochen viel in der Luft schwebt, meine Gedanken kreisen umher, viele Projekte, viele Eindrücke, da fällt es mir oft schwer im Hier und Jetzt sein.

Ich habe gemerkt, mich zu erden tut mir gut, deshalb entwickele ich mich seit über 10 Jahren hin zur Keramikherstellung. Dabei habe ich immer noch viele Projekte, probiere viel aus, manches klappt, manches nicht. Und das Stück Tonerde bringt mich immer wieder auf den Boden. Oft misslingt auch ein Projekt, ich muss ja an meine Grenzen gehen um meine Keramik weiterzuentwickeln, weil ich da einen hohen Anspruch habe. Das misslungene Stück führt mir vor Augen, das alles was entsteht, auch wieder vergeht. Ich muss dann loslassen und beginne von vorne.

Heute habe ich die "Schale meines Lebens" getöpfert. Ganz von Hand, ohne Werkzeug aufgebaut. Getöpfert hat man ja schon vor 2000 Jahren, man formte einfach mit den Händen einen Gebrauchsgegenstand oder Ähnliches. Ohne Werkzeug zu arbeiten, hilft mir ganz in den Kontakt mit dem erdenden Material Ton zu sein. Die Schale ist fertig, ich habe mich für eine moderne Form entschieden, sie soll auch nicht so groß sein, damit ich jeden Morgen mein geliebtes Müsli daraus essen kann. Ich habe auch daran gedacht, meinen Schmuck darin aufzubewahren, der mir sehr Wichtig ist.

Die Schale ist einfach perfekt. Gemacht für meine Ansprüche, entstanden aus 15 Jahren keramischer Erfahrung.

Nun beginne ich sie in Scherben zu schneiden, ich denke dabei an schwierige Situationen in meinem Leben, die mich teils sehr gefordert haben und lasse diese Eindrücke schnell wieder los, weil ich die Bruchstücke ja beiseite legen muss um weiter zu schneiden. Irgendwann liegt die Schale aus vielen einzelnen Teilen vor mir. Ich schaue mir das Chaos an, und lasse es auf mich wirken. Ich denke gerade daran, wo ich Jetzt stehe und bin dankbar. Dann beginne ich die Schale wieder zusammen zu setzen. Schlicker ist in der Töpfersprache ein Kleber, mit dem ich die Schale wieder zusammen klebe, ich muss mich schon konzentrieren, damit es mir wieder gelingt, die Schale wieder ganz zu machen. Das symbolisiert mir, das es oft Anstrengend ist, nach vorne zu schauen und weiter zu machen.

Irgendwann ist sie fertig, vor mir steht meine Lebensschale, die Bruchstellen kann man von Außen gut erkennen, was vorher kaputt war, ist jetzt Ganz.

Nachdem ich die Schale gebrannt habe, widme ich mich ihr erneut. Ich möchte sie jetzt glasieren und wähle eine schlichte, nachhaltige Glasur.

Im 3. Brandvorgang veredele ich die Bruchstellen mit Echtgold, dieser Vorgang ist mir wichtig um zu zeigen das die Schale meines Lebens erst perfekt war, dann ging manches kaputt und nun, nachdem sie repariert wurde: Ist sie etwas ganz besonders wertvolles.

Nicht nur Ich, sondern jeder kann von nun an, ihren großen Wert erkennen.

Eure Sabine


Einen Kurs wird es auch bald geben, damit ihr die Schale eures Lebens töpfern könnt!